Tusche-Teich
Wolke


Signatur  :

 

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   qián         lóng         wu           shi          nián         zhi

   "Qianlong" (Stärke und Erhabenheit, Regierungsdevise des
   vierten Kaisers der Qing-Dynastie, Regierungszeit 1736-1799)
   im 50. Jahr hergestellt ( = 1786 )


Widmung  :

 

Bildtext yihe Signatur Herst.jpg (5859 bytes)
     jin                        chén        ruán        yuán        gong         

   "Dem Kaiser geschenkt vom Beamten Ruan Yuan Gong"

   Bei dem Namen "Ruan Yuan Gong" handelt es sich wahrscheinlich
   um den ehemaligen Gouverneuer der Provinz Zhjiang. Nur auf 
   diesem einen Tuschestück ist der Name vermerkt..


Anmerkungen

Die Tuschesammlung zeigt 64 Plätze und Gebäude einer Gartenanlage. Die Tuschestücke befinden sich in zwei mit blauem Baumwollstoff bezogenen Kassetten. Jede Kassette besteht aus einem vierseitigen Schutzumschlag und beinhaltet vier Tabletts, die mit ungefärbtem Baumwollstoff bezogen sind und je acht Aussparungen aufweisen, die den Umrissen der einzelnen Tuschestücke genau angepasst sind. Auf jedem Tablett sind oben und unten drei längliche Tuschestücke angeordnet, in der Mitte dann quadratische oder Querformate. Jeweils die Bildseite zeigt nach oben, so dass die beschriftete Seite als 'Rückseite' bezeichnet werden kann. Die Form der Kassetten entspricht der von alten chinesischen Buchausgaben. (Da Bücher in China früher keinen festen Einband hatten, wurden die mit Fadenheftung gebundenen Einzelteile einer Ausgabe in solch einem Schutzumschlag aufbewahrt. Jedes Tablett ahmt in seiner Form somit einen Buchteil nach).
Jedes Tuschestück ist individuell gestaltet, die Details sehr fein gearbeitet. Auch der äußere Umriss ist aufwendig ausgeführt und bei jedem Stück unterschiedlich. Vereinzelt ist neben einer Farbauflage in Gold auch noch grüne Farbe zur Colorierung von Bambus und Bäumen erkennbar. In wenigen Fällen wurde auch Silber verwendet. Insgesamt 25 der 64 Stücke sind mit der obigen Signatur
Qian Long Wu Shi Nian Zhi versehen. Die Widmung der Auftraggebers ist nur bei dem Stück "(Der) Tusche-Teich (des Wang Xizhi)" angebracht.
So wenig die Entzifferung der Texte auf den Tuschestücken auch Schwierigkeiten bereitet,  so unklar bleibt jedoch, auf welche historischen Gebäude und Plätze sich die Motive beziehen. Laut dem Titel des Einbandes soll es sich um den Yi He Yuan handeln (große Gartenanlage der letzten Qing-Kaiser nordwestlich von Beijing, heute als "Neuer Sommerpalast" bekannt, wortwörtlich: Garten der klaren Wellen; erbaut 1749-1764, nach der Zerstörung 1887 neu gestaltet). Das Tuschestück Lesezimmer im Yi He nimmt hierauf eindeutig Bezug. Keines der dargestellten Motive gibt aber Szenen dieses Palastes wieder. Da der Palast eine Fülle äußerst markanter Sehenswürdigkeiten aufweist, ist es völlig unverständlich, dass hiervon nicht eine einzige abgebildet ist, obwohl der Titel der Sammlung ausdrücklich auf Sehenswürdigkeiten des Parks abhebt. Aufgrund des Tuschestücks Klare Welt, in der ein Gebäude in Form einer Swastika dargestellt ist, könnte man vermuten, dass es sich bei den Abbildungen auf den Tuschestücken um Szenen des wesentlich älteren Yuan Ming Yuan handelt (prächtige und wesentlich größere Sommerresidenz der Qing-Kaiser, heute "Alter Sommerpalast" genannt; Baubeginn 1709; wortwörtlich Garten der Gärten / Vollkommener Garten). Nach alten Abbildungen stand dort dieses Gebäude. Unter den überlieferten Gebäudenamen des Yuan Ming Yuan findet sich aber wiederum nicht einer, der mit denen auf den Tuschestücken verzeichneten Namen übereinstimmt. Eine denkbare Erklärung wäre die, dass es sich durchaus um authentische Plätze und Gebäude des Yi He Yuan handelt, jedoch um den ersten Bauzustand vor der Zerstörung im Jahr 1860, wie es die Signatur ja auch angibt. Beim Wiederaufbau im Jahr 1887 wären dann andere Gebäude errichtet worden. Demzufolge müsste der heutige Bauzustand des Yi He Yuan im Jahr 1887 vollständig neu entworfen worden sein. Eindeutige Quellen hierzu sind nicht bekannt.
Nach Art und Ausführung zu urteilen, handelt es sich um eine Auflage, die speziell zum 50. Regierungsjahr des Kaisers Qian Long von einem hohen chinesischen Beamten als Geschenk in Auftrag gegeben und im Jahr 1786 überreicht wurde.

In einer chinesischen Publikation aus dem Jahr 2000 wird zu der Abbildung des Tuschestücks "Natur, wie ein Gemälde" angemerkt, diese Tusche sei Teil des Tuschesets "ming yuan tu" (Berühmte-Gärten-Bilder) und würde Szenen der drei Gartenanlagen "yuan ming yuan , chang chun yuan , da nei san hai" darstellen. Die ersten beiden Gärten waren Teil des alten Sommerpalastes Yuan Ming Yuan, der dritte stellt die westlich der Verbotenen Stadt gelegenen drei kaiserlichen Gärten mit dem heutigen Beihai-Park dar. Die Model habe Zhou Zan geschnitzt (lebte Ende des 18. Jhr.), hergestellt wären die Tuschestücke von Wang Jie An (1723-1802). Diese Angaben würden die obigen ungeklärten Fragen beantworten.

Der Text des oben abgebildeten Tuschestücks spielt auf die Legende an, daß der berühmte Kalligraph Wang Xizhi seinen Tuschepinsel immer in einem Teich in seinem Garten auswusch. Da er sehr viel schrieb, färbte sich der Teich dadurch mit der Zeit völlig schwarz (wie eine Gewitterwolke).
Die Form des Tuschestücks stellt eine alte Waffe dar, eine scharfklingige Axt. Die Form war aber auch als Schmuckstück sehr beliebt und wurde dann, aus Jade geschnitzt, am Gürtel getragen.

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