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![]() Auf der Suche nach der perfekten Teezubereitung |
Ich trage zwei Seelen in meiner Brust: Die
eine ist auf der Suche nach der perfekten Teezubereitung, die andere schmunzelt nur
darüber. Das ist wohl der Zwiespalt zwischen meiner westlich wissenschaftlichen Ader und
der östlich daoistischen eines ausgeprägten Homo ludens. Denn: Auf welche Art wollen wir
unser Leben führen? Diese Frage beschäftigt mich oft und allen perfektionistischen
Bestrebungen zum Trotz gelange ich für mich doch immer wieder zu der Einsicht des "Weniger
ist Mehr" und "Es muss nicht immer das Letzte sein".
Teetrinken bedeutet mir viel, keine Frage. Doch noch mehr bedeutet es mir, unbeschwert zu
leben, frei von selbstgeschaffenen Zwängen und Ballast, spontan und genießerisch. Ich
habe viele Eskapaden hinter mir und obwohl ich die Stoiker sehr verehre, bin ich
letztlich
wohl doch im epikureischen Lager zu finden: Das Wesentliche ist, zufrieden zu sein und
sich wohlzufühlen. Wem der ganze Tag zur Verfügung steht, kann sich der Teezubereitung
völlig hingeben. Und wem eine schnelle Tasse einfachen Tees genügt, ist in meinen Augen
ebenso glücklich zu schätzen. |
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Der |
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| Wovon sprechen wir? Unter Tee verstehe ich
lediglich die Pflanzen Camellia sinensis und Camellia assamica in ihrer
Sortenreinheit, also weder Mischungen noch die ganze Palette der Aromatees und schon gar nicht die
reinen Namensvettern wie Mate, Roibusch & Konsorten. Und auch die Länder, für deren
Tees sich ein besondere Aufwand lohnt, sind mit China, Taiwan, Japan und Darjeeling
schnell aufgezählt. Am Anfang steht die zentrale Frage, was unter "gutem Tee" zu verstehen ist. Sicherlich Qualität und Geschmack, wobei man über Letzteren ewig streiten kann, diese Bewertung bleibt subjektiv. Bei der Qualität spielt nach der Verarbeitung und dem Transport die Frische des Tees die größte Rolle, da sich das Aroma im Laufe der Zeit abbaut und auch die beste Zubereitung schlechten Tee nicht mehr aufwerten kann. Einen Händler oder Importeur zu finden, der die neue Ernte möglichst schnell anbieten kann, ist deshalb etwas ganz Wesentliches. Nur zu oft werden erst noch die Lagerbestände des letzten Jahres abverkauft, weshalb man hier ruhig einmal nachfragen sollte. Außerdem ist Blatt-Tee besser als Broken-Tee: Blatt-Tee wurde von Hand gepflückt (und sieht - nebenbei bemerkt - aufgebrüht natürlich auch schöner aus), hat durch die unzerstörten Teeblätter noch weitestgehend seine Inhaltsstoffe und gibt vor allem die Gerbstoffe (Tannine) nicht so schnell ab, wie die Broken-Tees. Broken-Tees werden also wesentlich schneller bitter. Guter Tee kommt in der Regel lose (offen) in den Handel, Spitzenqualitäten werden in den seltensten Fällen abgepackt verkauft. Auf Packungen sind außerdem nur (irrelevant lange) Haltbarkeitsdaten angegeben, jedoch selten Angaben zum Pflückdatum (Ausnahmen bilden hier nur Spitzentees aus China und Japan, auch manche Darjeelings). Den Tee mit Auge, Nase und eigenem Sachverstand prüfen zu können, erleichtert die Entscheidung und beugt manchem Fehlgriff vor (was bei Tee aber leicht vorkommt, da hier Geruch und Geschmack zweierlei ist). Naheliegend ist es da (wenn auch an der Grenze zum Snobismus), den Tee im Frühjahr direkt vor Ort auf den Plantagen zu kaufen. In Darjeeling und Ceylon ist das relativ problemlos, in China bilden Sprachschwierigkeiten aber das große Problem. Die Verkaufsstellen der staatlichen Anbaubetriebe bieten deshalb die größte Sicherheit vor der Versuchung aller chinesischer Händler, sich an gutgläubigen Touristen schadlos zu halten: Als ich das erste Mal in Hangzhou direkt im Ort Long Jing bei einem Bäuerchen den berühmten Drachenbrunnen-Tee einkaufte, lag der frisch gepflückte Tee in einem duftenden Häufchen auf dem Tisch und mir wurde ein köstlicher Aufguss zur Probe vorgesetzt. Ich kaufte ein Pfund - um dann zu Hause festzustellen, dass man mir aus dem Hinterzimmer ein eingeschweißtes Pfund, vermutlich vom Vorjahr (!) herbeigeschafft hatte. Zumindest schmeckte er so, nämlich nach gar nichts (Chinesen erzählten mir später, es würde bei Händlern auch vorkommen, den zum Probieren aufgebrühten Tee einfach wieder zu trocknen und erneut zu verkaufen ... China!). Bei der Auswahl von Tee gab es für mich lange Zeit noch ein anderes Kriterium: Mir war Tee aus kontrolliert biologischem Anbau wichtig, denn alle Tees werden mit chemischen Mitteln ziemlich heftig gespritzt - und die Spitzentees als Devisenbringer wahrscheinlich am meisten. Das schien mir bedenklich. Schon die Tendenzen unserer Lebensmittelindustrie hatten mich einsehen lassen, dass nicht alles Machbare auch sinnvoll und der Gaumen allein ein schlechter Richter ist. Bezogen auf Tee kommt das allerdings einer großen Selbstkasteiung gleich, denn die wenigsten Sorten gibt es in k.b.A.-Qualität. Anstoß zum Umdenken gaben mir dann kritische Nachfragen bei Bio-Firmen und die sehr qualifizierten Anmerkungen zu diesem Thema im Buch von Thomas Lünser. Seitdem ist dieses Thema kein Thema mehr für mich und ich trinke alles, was mich interessiert.. |
| Die Verpackung |
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| Loser Tee wurde früher in großen
Kisten verschifft und beim Einzelhändler dann zum Abverkauf in großen Blechdosen mit weiter Öffnung aufbewahrt. Heute ist das
mehr eine nostalgische
Reminiszenz. Jeder Händler ist gut beraten, den
Tee zusätzlich in den alufolien-beschichteten Papiersäcken zu belassen,
in denen Tee nunmehr versandt wird. Packt der Händler für den Verkauf
noch selber ab,
so schützen Dosen, Schraubdeckelgläser
oder metallbeschichtete Kunststoffbeutel das Aroma am besten. Die heute
oft noch üblichen 100g-Tütchen aus dickerem Papier haben nicht immer eine integrierte
Alu-Schicht und sind höchstens für den kurzen Transport nach Hause
geeignet, jedoch nicht, um wochen- oder monatelang im Verkaufsregal zu liegen. Wirklich gute und hochpreisige Tees werden deshalb kaum
fertig abgepackt im Geschäft vorliegen. Eine Ausnahme bilden die im
Alubeutel vakuumverpackten Spitzentees aus Taiwan (meist Dong Ding) und Japan (Schattentee).
Letztere haben oft einen Verschluss, der sich wieder gut luftdicht
verschließen lässt. Sinnvoll ist es also, schon zum Teeeinkauf seine eigenen Dosen oder Gläser mitzubringen. . |
| Die Aufbewahrung |
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Tee ist eine sensible Sache. Feines Aroma verflüchtigt sich an der Luft recht schnell, weshalb hier dicht schließende Behälter oder noch besser: dünne Vorratsbeutel aus Aluminiumfolie die goldene Lösung sind. Denn selbst an die Luft in der halbvollen Teedose gibt der Tee noch merklich Aromen ab und verliert damit auch an Geschmack. Vorratsbeutel aus Aluminiumfolie bieten da den unschlagbaren Vorteil, daß man sie stets optimal zusammenrollen und mit einem speziellen Tütenverschluss oder noch einfacher: mit zwei Gummiringen fest verschließen kann. Manche Autoren empfehlen außerdem, guten Tee stets außerhalb der Küche aufzubewahren, da er dort Fremdgerüche annehmen kann, - solche Erfahrungen habe ich noch nicht gemacht und wenn Teedosen oder -beutel das Teearoma schützen, dann gilt das wohl auch in umgekehrter Richtung. Sinnvoll ist es jedoch, den Tee eher kühl aufzubewahren, also nicht dekorativ über Herd oder Heizung und auch nicht am sonnigen Fenster. Tee zusätzlich in den Kühlschrank zu legen, um Stoffwechselprozesse zu reduzieren, wird von anderen empfohlen (sogar: im Tiefkühlfach!) - was aber die Gefahr in sich trägt, daß der aufbewahrte Tee mit der Zeit verdirbt, weil sich bei jedem Öffnen der Verpackung sofort Kondenswasser am Tee niederschlägt. So zieht er Feuchtigkeit und wird dann wieder luftdicht verpackt - eine ganz schlechte Lösung. Stark duftende Tees (z.B. Osmanthus) bewahre ich in alten chinesischen Yixing-Gefäßen auf. Das mag in diesem speziellen Fall angehen und ist vor allem ein schöner Anblick. Der Ton speichert hier zudem noch den Duft des Tees. Meine schönste neue Teedose stammt aus dem Reich der aufgehenden Sonne: Eine aus Kirschholz gedrechselte, das rötlich strukturierte Holz innen poliert, außen noch naturbelassen mit seiner silbergrauen, rauen Rinde. Die innere Verschlusskappe und der Deckel sind so passgenau gearbeitet, dass die Luft beim Öffnen auch nach Jahren noch mit einem saugenden Geräusch eintritt. Ohne jedes Fremdmaterial verarbeitet, hätte William Morris hieran seine wahre Freude. Tee sollte man also nur in kleinen Mengen und dafür immer wieder frisch einkaufen. Von einem Händler in der Schweiz erhielt ich einmal eine Probe taiwanesischen Pi Lo Chun, gerade per Luftfracht bei ihm eingetroffen, der ein geradezu unglaubliches Aroma besaß. Völlig begeistert bestellte ich sofort ein Pfund und bekam es originalverpackt in Alufolie eingeschweißt. Der Duft beim Öffnen der Packung war überwältigend - ich behaupte, nie einen intensiveren Grüntee-Duft erlebt zu haben - der Geschmack des Tees war adäquat köstlich. Ich beließ den Tee in seiner Verpackung. Genau zehn Tagen nach Anbruch hatten sich Duft und Geschmack trotzdem verflüchtigt. Egal was ich auch anstellte, keine Zubereitungsmethode brachte mehr ein auch nur annähernd gutes Ergebnis. Manche Aromastoffe sind also trotz größter Umsicht nicht zu konservieren - das ist eine traurige Einsicht. . |
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Das Wasser |
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Zhang Dafu, ein Teemeister der Qing-Dynastie, sagte einmal: "Die Qualität einer guten Tasse Tee hängt zu 20% vom Tee selbst ab und zu 80% vom verwendeten Wasser." Die Bedeutung des Wassers wird bei der Teezubereitung leicht unterschätzt. Bei Darjeeling und Grüntee spielt es jedoch eine entscheidende Rolle. |
| Leitungswasser | Wohl dem, der weiches Wasser aus der Leitung bekommt (Wasserhärte 0 - 7°
dH), es gibt ja solche Städte, in denen der Wasserkessel nie Kalk ansetzt und Darjeeling
noch nach Darjeeling schmeckt. Sowohl vom Aufwand wie vom Preis her ist dies natürlich
die ideale Lösung. Man sollte es immer frisch und kalt verwenden, nie aus dem Boiler.
Während Chlorgeschmack nur noch in wenigen Großstädten vorkommen dürfte, ist
aber Kalk
allerorts Hauptgegner Nr. Eins. Es ist schon beeindruckend, wenn man sich vorstellt, daß
bei einer Wasserhärte von 20°dH* und monatlich 25 cbm Wasserver-
brauch summa summarum 100 kg Kalk pro Jahr durch die Leitung strömt! In diesem Fall
helfen nur
(* 1°dH = 1,78 g Kalk je 100
l Wasser) |
| Quellwasser | Ist sicherlich eine der Ur- und Idealformen für Teewasser. Auch heute noch sind in manchen Gemeinden gefasste Quellen als Trinkwasser ausge- schrieben. Wenn der Aufwand nicht zu groß ist, sollte man auf jeden Fall einmal ausprobieren, ob sich das Wasser zum Teetrinken eignet. Bei allen sonstigen Quellen und Brunnen sollte man vorsichtig sein: Schwermetalle, Nitrate und und Pestizide von Wiesen und Feldern und allerlei Rückstände auch aus dem Oberflächenwasser sind denkbar - durch Abkochen werden lediglich die Bakterien beseitigt! Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, daß Quellwasser oft einen starken, von erdig bis hin zu säuerlichen Beigeschmack haben kann, der ein feines Teearoma stark beeinträchtigt! |
| Flaschenwasser | Den Fehler, hier ein Mineralwasser mit Kohlensäure zu
nehmen, macht jeder nur einmal. Doch es gibt noch andere Überraschungen. Mineralwässer
mit hohem Hydrogencarbonat-Anteil fällen beim Kochen feinen Kalk aus, der mit dem Tee
reagiert und eine ungenießbare milchig trübe Suppe ergibt. Von da ab achtet man auch auf
diesen Wert. Generell muss man sich darüber im klaren sein, dass auch Mineralwässer
einen für Tee sehr störenden Eigengeschmack besitzen können, denn Mineralwässer
unterscheiden sich gegenüber Trinkwasser ja gerade durch ihren deutlich erhöhten
Gehalt an Mineralsalzen, die durchaus eine eigenwillige Geschmacksnote ergeben können.
Und dass Mineralwässer sogar höhere Schadstoffmengen als einfaches Leitungswasser
aufweisen können, ist mittlerweile auch kein Geheimnis mehr. |
| Destilliertes Wasser | Sicherlich, destilliertes Wasser ist Wasser pur - und Einstellungssache. Zwar wird der Körper davon nicht "entmineralisiert", wie es gerüchteweise einmal hieß, aber wie oben schon erwähnt, bringt teuer destilliertes Wasser für Tee keine Verbesserung. |
| So
what? Geschmack ist nicht nur subjektiv, er unterliegt zudem
auch bei uns selbst noch seinen Schwankungen. Seit
ich erlebt habe, dass mir der gleiche Tee morgens anders schmeckte als am Abend,
erscheint mir die Frage hinsichtlich des Wassers nicht mehr ganz so weltbewegend. Und es
ist vielleicht sogar ein eher lästiger Zug unseres westlich-forschenden Wesens, dass uns
nicht das Gute genügt, sondern wir meinen, stets ein Optimum erreichen zu müssen. Wie
dem auch sei: Statt gleich von Anfang an schwere Geschütze aufzufahren, sollte man sich
hier am besten schrittweise vorarbeiten, bis Wasser- und Teegeschmack den persönlichen
Bedürfnissen entsprechen. Im Hinblick auf die Teezubereitung ist ein einfacher
Wasserfilter jedenfalls schon die halbe Miete. . |
| Wasserkochen & Aufgießen |
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Dass man das Wasser stets über den Tee und nicht den Tee ins heiße Wasser gibt, bedarf keiner Erwähnung. Zum einen zieht so die ganze Teemenge gleichmäßig lang, viel wichtiger soll aber die durch das Aufgießen eingesprudelte Luft sein und sich positiv auf das Entfalten der Geschmacksstoffe auswirken. (Und dass es genaugenommen nicht Teekochen sondern Teebrühen heißen muss, ist nur etwas für Besserwisser). Soll man den Tee aber in einem separaten Gefäß oder direkt in der Kanne aufgießen? Das hängt von der Teekanne ab. Wenn in der Kanne, dann müssen die Teeblätter leicht und schnell zu entfernen sein, entweder durch einen weiten und gut durchlässigen Siebeinsatz (einen solchen großen Siebeinsatz hat aber kaum eine Kanne) oder ein geeignetes ( = sehr weites) Teenetz. Praktischer ist deshalb sicherlich das separate Aufgießen in einem Krug: Hier kann sich der Tee im Wasser erst einmal völlig frei entfalten und so sein Aroma optimal abgeben. Ein Teenetz, besser aber noch ein völlig geschmacksneutrales und tief ausgelegtes Teesieb ermöglichen dann ein schnelles Abgießen in die Teekanne ohne Überschwemmung. Als formschöne Alternative gibt es noch den Teekrug filio der Firma Mono: Eine weite Glasschale ist hier mit einem herausnehmbaren, 20 cm weiten Edelstahlsieb ausgestattet; Aufbrühen und Absieben sind so optimal kombiniert. Wichtig ist generell: Auch das Gefäß zum Aufbrühen - besonders bei Schwarztee - sollte mit heißem Wasser vorgewärmt werden. Kalte Gefäße senken die Wassertemperatur mitunter so stark, daß das Teearoma nicht voll in Lösung geht. Ich persönlich verwende zum Aufgießen des Tees einen 1,2
l Glaskrug der Marke Bodum. Aus zwei sehr
wesentlichen Gründen ist dies für mich die beste Aufgießform.
Zum einen bietet die runde Form des Kruges die optimale Möglichkeit, den
Duft des eingefüllten Tees vor dem Aufgießen noch einmal in
seiner ganzen Fülle mitbekommen zu können. Das bewusste Riechen des Duftes ist für mich ein wesentlicher Bestandteil zu Beginn
des Teetrinkens und die Kugelform des Glaskruges optimiert das Wahrnehmen der
Aromen. Mit dem Aufgießen der Teeblätter ist dieses Kapitel leider sofort beendet, denn der Aufguss bringt
andere Aromen zur Entfaltung.
Gerade weil beim Tee der Duft der Teeblätter und der Duft/Geschmack des
aufgegossenen Tees weit auseinander liegen können, ist mir diese Form des
Tee-Aufgießens wichtig. |
| Dosierung & Ziehdauer |
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Dass Schwarztee kräftiger ausfällt als Grüntee und Grüntee wiederum kräftiger als Weiße Tees, hat nichts mit der Menge zu tun, sondern liegt in der Natur der Sache selbst. Ebenso ergibt die gleiche Menge Broken Tee einen stärkeren Aufguss, als wenn man einen Blatt-Tee nimmt. Das gehört zum Grundwissen. Das richtige Maß hängt immer ab vom Zusammenspiel aus Wassermenge, Teemenge und Ziehzeit. Stets die gleiche Teekanne ( = Wassermenge) verwenden und mit der gleichen Teesorte das beste Verhältnis von Menge und Ziehzeit bestimmen, führt am schnellsten zum Ziel. (Wer "Ein Teelöffel pro Tasse and one for the pot" empfiehlt, scheint nur 08/15-Tee zu trinken. Leider hat es sich selbst in deutschen Teefachgeschäften anscheinend noch nicht ganz herumgesprochen, daß ein englischer tea spoon mit einem deutschen Teelöffel wenig gemeinsam hat.) Mitunter wird erwähnt, dass Tee mehrmals aufgegossen werden kann. Das klingt interessant. Wer nun aber meint, mit zwei Teelöffel Tee auf insgesamt drei Liter köstliche Flüssigkeit zu kommen, der irrt. Chinesen mögen genügsam sein und Not macht sicherlich auch erfinderisch - ganz so spartanisch ist das Volk der Mitte in Sachen Tee aber nun doch nicht. Worauf sich diese Bemerkung in keinster Weise bezieht, ist Schwarztee, sein Aroma ist mit dem ersten Aufguss abgegeben. Mehrmals aufgegossen wird klassischerweise Oolong. Aber da muss man wissen, dass die Chinesen [wer baut sonst schon guten Oolong an!] hier a) sehr viel Teeblätter in eine b) sehr kleine Teekanne packen und die Aufgüsse dann c) relativ schnell hintereinander trinken, so dass zwischen dem ersten, zweiten, dritten, vierten und vielleicht auch fünften Aufguss nur wenige Minuten und vor allem nur eine kleine Wassermenge liegt! Möglich wird das nur durch die besondere Charakteristik des Oolong, da seine Blätter von Mal zu Mal andere Aromen freisetzen und so wahrhaftig ein Spektrum an unterschiedlichem Geschmack zu bieten haben. Auch manche Grüntees (manche!, eher: wenige!) vertragen ein mehrmaliges Aufgießen, hier ist dann aber zu beachten, dass die Wassermenge von Aufguss zu Aufguss halbiert werden muss, denn nichts ist unerschöpflich, auch nicht der Göttertrank Tee (Sehr detaillierte Informationen zum Thema Oolong gibt das Buch von Thomas Lünser). Ein anderes Mißverständnis besteht übrigens in der Mär, man solle bei Grüntee immer den ersten Aufguß nach wenigen Sekunden abgießen, um so dem Tee die Bitterstoffe zu entziehen, noch bevor er sein eigentliches Aroma entfaltet. Hier werden historische Berichte ritueller Handlungen (Waschungen!) mit den Anleitungen zur normalen Teezubereitung verwechselt. Sollte ein Grüntee wirklich so herb und bitter sein, daß ein solches Verfahren erforderlich ist - so sollte man ihn besser erst gar nicht trinken, denn das wird kein Genuß! (Apropos: Zur Faszination der Exotik gehört bei mir auch das Verhalten jener Bekannten, die von dem oben erwähnten Weggießen des ersten Aufgusses gehört hatte und partout nicht davon abzubringen war - dies auch mit ihrem Darjeeling zu exerzieren ... ) . |
| Die Teekanne |
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Ton war das ursprüngliche Material für Teekannen. Beim Ton unterscheidet man zwischen den einfachen (japanischen) Terrakotta-Kannen und den feineren chinesischen Teekannen aus Yixing-Ton. Das offenporige Terrakotta gibt einen extrem störenden Ton-Geschmack an jeden Aufguss ab und ist deshalb für Tee völlig ungeeignet (sic!). Yixing-Ton (aus der Stadt Yixing, westlich von Shanghai) ist als Material wesentlich dichter und hält so auch die Wärme länger. Gleichzeitig isoliert dieser Ton aber auch gut, so dass man sich am Henkel selbst der heißesten Teekanne nicht verbrennen kann. Doch Ton bleibt Ton: Auch bei den besten Yixing-Teekannen kann es bei zarten Grünteesorten vorkommen, daß sie die Geschmacksfeinheiten beinträchtigen, vor allem dann, wenn die Kanne einmal Zeit hatte, ganz auszutrocknen. Richtige Teetrinker vermeiden das und sorgen dafür, ihren besten Tee immer nur in einer eingetrunkenen Yixing-Teekanne zuzubereiten. Wer im Hinblick auf seine Spitzen-Grüntees hundertprozentig sicher gehen will, sollte deshalb eine Porzellankanne verwenden (Sehr detaillierte Informationen zum Thema Yixing-Keramik gibt das Buch von Thomas Lünser). Eine andere Möglichkeit - und eine sehr schöne! - ist die Teezubereitung direkt in der Tee-Schale. Ein großblättriger gelbgrüner Oolong in einer schwarzen weiten Schale ist ein optischer Genuss. Oder ein Puschel Mu Dan in den handgetöpferten japanischen Raku-Schalen: Selten haben sich Teetrinker intensiver in die Betrachtung ihrer Tassen versenkt als hier. Die Chinesen verwenden aber natürlich ihre eigenen klassischen Deckeltassen, die sogenannten gai wan. Sie bestehen aus einem vertieften Untersatz, der Tasse und einem flachen, innen aufliegenden Deckel. Dieser Deckel wird etwas verschoben, so daß zwischen Tasse und Deckel ein schmaler Schlitz zum Trinken entsteht, der die Teeblätter aber zurückhält. Demzufolge ist diese Zubereitung ausschließlich für Grün- und Oolong-Tees geeignet, da die Teeblätter in der Schale verbleiben. Von Zeit zu Zeit wird einfach heißes Wasser nachgefüllt. Und auch die in China häufigste Art der Teezubereitung soll hier der Vollständigkeit halber erwähnt aber nicht empfohlen werden: Das ach so praktische Schraubdeckelglas, das morgens mit ein paar Teeblättern versehen und dann den ganzen Tag über mit sich herumgetragen wird. Der Tee schwappt im Wasser und von Zeit zu Zeit wird heißes Wasser nachgefüllt ... . |
| Das Warmhalten |
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| Egal für welche Teekanne man sich auch
entscheidet, man sollte sie mit heißem Wasser vorwärmen, damit der Tee nicht zu schnell
abkühlt. Denn diese Erfahrung habe ich gemacht: Obwohl ich nur ungerne heiß esse,
empfinde ich lauwarmen Tee eindeutig als unbefriedigend. Um den Tee warmzuhalten,
gibt es gute und weniger gute Möglichkeiten. Zu letzteren zählt die Thermoskanne. Sie führt zu einem katastrophalen
Geschmacksabsturz (wobei ich keine Erklärung für dieses Phänomen habe). Zu überbieten ist diese
Geschmackskatastrophe
nur durch eine Kerzenflamme direkt unter der Teekanne, da der Tee dann sogar noch nachkocht
und seinen Geschmack in kürzester Zeit völlig verändert. Die besten Lösungen
sind somit folgende: Das klassische Warmhalten in einem gefütterten Warmhaltekorb,
wie er früher in China üblich war. Hier schaut nur noch der Ausguß der Teekanne aus
einem innen mit Wollfilz gepolsterten Behältnis heraus. Doch diese Variante ist
zugegebenermaßen recht eigen, zumal man ein solches Utensil selbst in China
heutzutage kaum mehr auftreiben kann. Die westliche Variante bildet die filzummantelte
Porzellankanne, deren etwas altmodisch wirkende Erscheinung heute
wieder eine Renaissance erlebt. (Altmodisch bleibt hingegen die in unseren Breiten
früher ebenso übliche wie praktische
Teemütze - und geradezu aufsehenerregend finde ich dann dieses schick-in-Strick-Modell
aus den 60er Jahren). Wem ein Stövchen unentbehrlich scheint, der sollt unbedingt
auf GROSSEN Abstand von Flamme und Teekanne achten (es geht, wie gesagt,
ums Warmhalten, nicht ums nochmalige Aufkochen ... ) Ich kenne auch
Teetrinker, die ihre 1,5 l (Survival-)Kanne auf einer elektrischen Heizplatte neben
sich stehen haben - perfekt auf 70° temperiert. Am besten erscheint mir
jedoch der Gebrauch einer
kleinen 0,5 l
Teekanne, so dass der Tee getrunken ist, bevor
er noch kalt werden kann. Oder: Grüntee und Oolong direkt aus der
Deckeltasse zu trinken und immer wieder frisches heißes Wasser
aus der Thermoskanne nachzugießen. So machen es die Chinesen. Sie werden wissen warum!
So, damit sind wir am Ende des Tee-Martyriums und merken uns einfach: Frisch geernteten Blatt-Tee mit gefiltertem Wasser in einem Glaskrug aufbrühen und in eine glasierte Kanne abgießen - das ist schon das ganze (kleine) Einmaleins für ein gutes Geschmacksergebnis. |
Hier gibt es die besten => Bücher zum Thema Tee Hier findet sich ein Panoptikum zu => chinesischen Grünteesorten Hier bieten sich Infos zu => Yixing und seinen Teekannen Und hier noch ein Exkurs über unser => Geschmacksempfinden |