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"Brauchen
wir noch einen neuen Lao Zi, brauchen wir wirklich die mittlerweile 104.
Übertragung? Ja, ich denke in gewisser Hinsicht schon, und zwar aus Gründen
der »Entmythologisierung«. Lao Zi umgibt eine zu große Aura des
Geheimnisvollen, die möglicherweise seiner überwältigenden Rezeption in
deutschen Landen vorgearbeitet hat. Es ist daher vielleicht an der Zeit, ihn
auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.
Ich habe auf der Basis der einschlägigen
Sekundärliteratur eine chinesische Fassung in Kurzzeichen zu erstellen
versucht, die mir - so weit, wie das möglich war - stimmig erschien. ( ) Im
Angesicht von 103 bereits bestehenden Übertragungen, wovon etwa ein halbes
Dutzend vorzüglich zu nennen ist, kann mir keine neue Version gelingen, die
alles Bisherige hinter sich lässt. Ich habe mich daher entschieden,
möglichst einfach und nachvollziehbar vorzugehen."
(Aus der
Einleitung von Wolfgang Kubin)
Der Herder
Verlag ersetzt in seinem Buchprogramm die fragmentarische
Daodejing-Bearbeitung von Linde von Keyerlingk aus dem Jahr 1979 endlich
durch eine zwar andersgeartet fragmentarische, aber fachlich ungleich
qualifiziertere Fassung von Prof. Dr. Wolfgang Kubin. Im zweiten Band
seiner Reihe "Klassiker des chinesischen Denkens" wendet sich dieser der
ältesten heute bekannten Daodejing-Textfassung zu, die aus der ersten
Hälfte des 3 Jahrhunderts v.u.Z. stammt. Neben dem chinesischen Text
(umgesetzt in heutige Kurzzeichen) und der phonetischen Pinyin-Umschrift
bietet Wolfgang Kubin einen Kommentar zu seiner deutschen Übersetzung des
Guodian-Textes, der nur 31 Stellen der späteren klassischen
Daodejing-Fassung aufweist. Im Vorwort beleuchtet Kubin kurz einige
Aspekte der Laozi-Legende nach heutigem Forschungsstand und macht klar,
dass der Text des Daodejing wohl immer schon eine Art Lehrspruchsammlung
war, die von den Mitgliedern taoistischer Schulen im Laufe der
Jahrhunderte zusammengetragen wurde und als eine Art Fürstenspiegel für
den Princeps und dessen Sohn diente. (Unverständlich bleibt, warum Kubin
seiner qualifizierten Übersetzung die entsprechenden Textstellen von
Richard Wilhelm aus dem Jahr 1978 beifügt.)
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