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"Der Titel Taòtekking bedeutet: Buch über Gott und Tugend.;
das Wort king für Buch ist auszeichnend und besagt so viel wie klassisch. Die
Eintheilung in 2 Bücher und 81 Kapitel ist von Laotsee selbst, das erste Buch beginnt mit
Gott, das zweite mit Tugend, doch ist eine strenge Scheidung der Materien nicht
durchgeführt.
Laòtsee ist nach der
wahrscheinlichsten Annahme im Jahr 604 a. chr. im damaligen chinesischen Lehensstaat Thsu
geboren. Mit Eintritt in's männliche Alter verließ er sein Geburtsland, um in
kaiserliche Dienste zu treten. Er gelangte als Archivbeamter in der Reichskanzlei zu
angesehener Stellung. Im Alter von 90 oder nahezu 90 Jahren zog er sich in's Privatleben
zurück, wahrscheinlich in sein Geburtsland, wo er sein Leben in Verborgenheit beschloß.
Unter seinen Zeitgenossen stand er
im Ruf hoher Weisheit, als philosophischer Lehrer ist er jedoch nicht aufgetreten. Auf der
Reise in sein Heimatland hielt er bei dem befreundeten Markgrafen von In-hi Rast und
schrieb hier auf Bitten des Gastfreundes und zunächst für diesen das Taòtekking nieder.
Diese Schrift, kein systematisches Lehrbuch, sondern mehr aphoristisch zusammengestellt,
ist also gleichsam das philosophische Testament Laotsee's. Sie gelangte zu hohem Ansehen.
Bis auf die Gegenwart immer neu edirt, studirt, von den namhaftesten Gelehrten commentirt,
gilt sie als Perle in der überreichen chinesischen Litteratur und gehört nunmehr auch
der Weltlitteratur als ein unschätzbares Buch für alle Zeiten an.
In's Französische übertragen ist
das Taòtekking von Stanislaus Julien, in englische Sprache von J. Chalmers. Auf
diese Uebersetzungen näher einzugehen, ist hier der Ort nicht. Im Deutschen liegt die
gewagte Bearbeitung R. v. Plänkner's vor, eine überfreie Umschreibung und Erweiterung
des chinesischen Textes, sodann die Uebersetzung von Victor v. Strauß. Dieser, um unsere
Kunde chinesischer Litteratur so verdiente, Gelehrte strebt bei der Uebertragung Laotsee's
allerdings Wort- und Sinntreue an, verfehlt aber durch eine befremdliche Verunstaltung der
deutschen Sprache eine andere Pflicht des Uebersetzers, und der voluminöse (wenn auch
vielfach sehr werthvolle) Commentar ist der Verbreitung im Wege. Eine ächte Uebersetzung
kann und muß ohne Commentar bestehen, wenn sie das fremde Geisteswerk der eigenen Sprache
wirklich zu eigen machen soll. Dazu aber muß sie nicht blos wort- und sinngetreu sein,
sie muß auch den formalen Karakter des fremden Idioms nicht kopiren, sondern in den Styl
der eignen Sprache umbilden.
Eine solche Uebertragung der
Schrift des alten chinesischen Weisen wollte der Autor vorliegender Arbeit dem deutschen
Publikum bieten; möge sie nun eine freundliche Aufnahme finden." (Vollständiges
Vorwort von Friedrich Wilhelm Noak)
Eine frühe, fast unbekannte Übersetzung aus dem Chinesischen. Die Ausgabe ist
selbst in Bibliotheken äußerst selten und wird in der Regel bei Fernleihe nur als Kopie
versandt.
Präsenzbestand:
Niedersächsische
Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
Signatur: 8 PHIL VI, 987
Noak verwendet durchweg den Gottes-Begriff für die Wiedergabe des Tao und fasst
die Übersetzung recht frei, mit Einschüben von Versen, zu denen er in seiner einzigen
Fußnote anmerkt: "Die eingestreuten Gedicht-Fragmente sind Citate aus
volksthümlichen didaktischen Versen, mit welchen die Schriftsteller schon damals, wie
noch heute, ihre Prosa zu durchflechten und zu erklären liebten." Ohne jede
weitere Anmerkung zur eigenen Übersetzungsarbeit, zu Feinheiten oder
Besonderheiten und
ohne jede Erwähnung in Werken anderer Sinologen bleibt dieses 61 Seiten dünne
Heftchen
ein Werk von fraglicher Authentizität.
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