Was spricht für, was gegen die Echtheit des Reiseberichts ?
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| . | Pro | Contra | . | ||
| Die Gründlichkeit der
Texterläuterungen, die David Selbourne als Übersetzer gibt, seine Anmerkungen zu
einzelnen Textpassagen, sein Zitieren aus dem "Originaltext", seine Querverweise
und sein Kapitel über die sprachlichen Besonderheiten im Bericht des Jakob von Ancona.
Das ist ein Tuck zu fachlich, zu detailliert, um reine Phantasie zu sein. (Und wäre es
Phantasie, so wäre sie so kunstvoll, daß ihm fast dafür schon wieder ein Lob gebührte
....) Die Ausführlichkeit seiner Stellungnahme zu allen Kritikpunkten, die gegen den Bericht vorgebracht werden. Seine aufgeschlossene Art, ruhig und sachlich auf alles einzugehen und die vorgebrachten Vorwürfe alle (!) recht glaubwürdig zu parieren. Er steht Rede und Antwort - das macht nachdenklich. Hier ist kein Kujau am Werke, der seine Arbeit nicht versteht. Gerade dieses Beteuern der Authentizität würde ihn später jedoch die letzten Sympathien kosten, wenn sich sein Werk im Nachhinein doch noch als Fälschung herausstellen sollte. "Ob
Jacob von Ancone eine Fälschung ist oder nicht, wird sich abschließend
erst beurteilen lassen, wenn einmal das Originalmanuskript veröffentlicht
und von Fachleuten begutachtet wird. Ich selbst sehe nicht, wie man einen
derartigen Bericht erfinden könnte und warum man sich solche Arbeit
machen sollte. Vor allem: Wäre er erfunden, hätte viel mehr auf bekannte
Tatsachen zurückgegriffen werden müssen. Gerade die Stellen, die als
besonders unglaubwürdig kritisiert wurden, sprechen dafür, dass sie
nicht von jemandem stammen, der den Bericht in betrügerischer Absicht als
authentisch hätte hinstellen wollen. |
Nachdem sich in jüngster
Zeit auch der seit altersher berühmte Bericht des Marco Polo als Fake
herausgestellt hat ( => siehe Link ),
steht dieser frühe Reisebericht um so einzigartiger da. Die Ausdrucksweise des Jakob von Ancona ist so unglaublich fein nuanciert und gewandt, daß man nur staunen kann, wenn man den Text mit anderen Texten des 13. Jahrhunderts vergleicht. Oder ist es Verdienst des Übersetzers, hier für einen stilistischen Glattschliff gesorgt zu haben? Ist es wirklich denkbar, daß im China des 13. Jahrhunderts ein chinesischer Dolmetscher die italienische Sprache beherrschte? Ist es darüber hinaus vorstellbar, daß über so subtile Themen wie die geschilderten gesprochen werden konnte? Und ist es zuletzt wirklich realistisch, daß bei zwei so unterschiedlichen kulturellen Weltbildern eine so differenzierte inhaltliche Diskussion möglich war? Daß es Gründe gibt, weshalb der augenblickliche Besitzer der Handschrift keinen Wert auf seine namentliche Nennung legt, ist ohne weiteres einsichtig. Und daß er es auch vermeiden möchte, sie vom italienischen Staat wegen ungeklärter Besitzverhältnisse konfisziert zu bekommen, dafür bringen alle Bibliophilen sofort vollstes Verständnis auf. Warum bedeutet ihm dieser einzigartige Schatz dann aber nicht so viel, daß er ihn von Fachleuten - an einem vor fremden Zugriff geschützten Ort - begutachten lässt, um sich selbst Gewissheit zu verschaffen und die leidige Diskussion in der Öffentlichkeit zu beenden, die doch auch für seine Person etwas ehrenrührig ist? Ginge es dem Besitzer andererseits um totale Anonymität und Geheimhaltung - warum ist er dann mit der Publikation durch David Selbourne ein Risiko eingegangen und beschwört damit geradezu eine anhaltende Diskussion über diesen Bericht herauf (die dem Übersetzer eines Tages ja zuviel werden könnte, weshalb er sein "Ehrenwort" dann brechen und den Besitzer doch nennen könnte)? Der Verlag Little, Browne & Co., der die amerikanischen Vertriebsrechte für David Selbournes Publikation besitzt, soll den Verkauf des Buches in den USA inzwischen eingestellt haben, weil dort die Zweifel an der Authentizität des Berichteten überwiegen. |
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